Birds 2013

Birds 2013
smatritje neba

6.12.19

Dr. Smirc sucht den Weg zu sich selbst

Dr. Smirc: "Ich hab da noch was. Die Vorgehensweise dieses Künstlers kommt mir vor als eine Art Klischierung. Er geht an einem schönen Panorama vorbei, wirft seine mit feuchtem Kalk bestrichene Decke drüber und macht schließlich davon einen Abdruck. Die Vertiefungen füllt er dann mit Betonwülsten aus Wortnudeln seines Gefühlslebens aus  und präsentiert das als Premiumsegment der höheren Einsamkeit."

"Aber Du machst es besser? Du zapfst Blut aus dem Tag und läßt es in Deinen Borschtsch-Kübeln Blasen werfen. Auch nicht nach jedem Geschmack!"

Dr. Warnix, Psychagog und Impulsharmoniker vom Preiskommitee , ist genervt. Schon Wochen hört er nichts mehr als Handke, Handke. "Man kann einen Menschen auch zum Teufel machen! Du hast Dich so in das Ding vertieft, dass ich Dir da wohl heraus und zu Dir helfen muss. Betonwülste sind schließlich inertes Material, das nach ein paar Jahrzehnten biologisch abgebaut ist. Nach den anderen Preisen war das Werk ja schon begonnen: alle langweilten sich, wandten sich ab und wieder der Literatur zu und waren voll erstaunt, als der Mann plötzlich aus dem Archiv katapultiert wurde. Er hat seine Abfindung, finde Dich damit ab. Einer von vielen alten Narzißten. Was soll's?  Bosnien weiß, was es davon zu halten hat.

Komm und knutsch mal Dein inneres Kind ein Bißchen."

Klar: diesen Preis bekommen immer die falschen. Es gibt eben mindestens tausende die "genauso gut" sind. Smirc will sich aber diese Art Schicksal nochmal ansehen. Warum braucht H diese ergraute Darstellungsweise? Oder, warum erntet er bei geringster Begeisterung der Leserschaft umso mehr Lob für sein exotisches Langeweilen?

Auch da scheint zuerst ein Schmerz gewesen zu sein und dann die Flucht vor Berührung, Gefühl und Sensibilität überhaupt.  Geholfen hat ja auch das Erleben des von Hass triefenden Pathos der Nazis und der mit Gefühl protzenden Heuchelei der noch älteren Generationen. Das Klima der Versachlichung, der Destruktion und der Distanz  begünstigte natürlich auch das Interesse am kalten Glotzen einer ganzen Literatengeneration. Kann man H vorwerfen, dass ihn das Lob von Eliteresten und nach Größe im Rechthaben strebenden, verlorenen Klassendiven an diese Stelle am Trog der Lieratur geschwemmt hat? Einsamkeit als Privileg reklamieren, auch so ein Ding dieser Richtung.

Man sollte die geglückte Spekulation eines fleißigen Schreibers und Beschreibers nicht beneiden! Wäre man denn weniger neidisch gewesen, wenn einer von der eigenen, eher pathetischen Sorte belobigt worden wäre?

Dr. Smirc bemerkt, wie seine Aufmerksamkeit aus der Röhre herauskommt und sich vorsichtig umschaut. Erst eine angenehme Entspannung. Viel von der eigenen Welt und Umwelt kann er noch nicht erkennen. Aber er sieht wieder Menschen und er spürt, wie die Leber aus dem Whiskey zirpt. Noch eine Rillo und morgen wird wieder Leben voll da sein.

Eine verirrte Fliege summt im Raum der Preisverleihung. Da schwebt ein fernes Lachen oder Schimpfen wie von MRR oder TB in der Luft. Strindberg übernimmt die Wache. Gott kann beruhigt zurück kehren nach Srebrenica.



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