Tracy Chapman: There is fiction in the room between. Versinke im Augenblick. - Aber verliere nicht den Verstand
21.2.23
Wie heißt das andere Wort für Alsheimer nochmal?

15.2.23
Aus dem Steinbruch Schicksal
"Sie sind aber liebenswürdig", sagt man öfter zu jungen Schriftstellern und alten Nobelpreisträgern ohne an Srebrenitza zu denken. Wie aufrichtig sich nacheilende Erfolgskritiker*innen doch freuen, berühmte gerühmte kennenzulernen!
"Hört, hört! " ruft das Labsal bekosteter Seele. Aus solchem Munde Lob zu hören! Wie oft ist es ein Maul!
Im Handumdrehen hat man die Flasche zur Hand und schenkt ein. Man trinkt einander zu, unterhält sich angeregt und fährt zurück in die Stasi - Datsche Komsomolz. Da gibt es dann wunderbar begeisterte Blicke, Spaziergänge und Candle-light-dinner mit Mütterchen Russland.
Unter uns: Die Frage bleibt: "Wann können wir uns treffen? " Es wird warm im Gefühl...
14.2.23
Zwischenspiel Nicola Förg: Ob das der Watzmann war, das wussten die Damen nicht. Ein kleiner blauer Wagen fuhr vor, und eine Frau um die vierzig stieg aus. Frau Hallöchen oder Mutti Dauerwelle? Doro war ja eher von der Post, hörte nur immer "Rabatte, Rabatte!" Für so viel Geld musste sie lange stricken.
Ob der komatöse Bestatter Feinde hatte? Die Kreise des Lebens verlaufen ja in Bahnen. So güllte ein südländischer Typ zwar die Akten, war aber längst wieder draußen. Die Gefahr, am Tisch eines dicken Muttchens zu landen kam mit jedem vermasselten Bruch näher.
Nicht alle Köpfe sind bandagiert. Das Smartphone meldete sich mit der Erinnerung "Steuererklärung". Da fiel alles Liberale ab von ihm. Sein "Delphi" war bekanntlich die griechische Döner- Bude am Alex, mit Ouzo und so weiter.
Fliegen auch Leichen spazieren? Eine große Verantwortung. Denn Sargluft ist unerwünscht. Nicht jeder entstammt schließlich einer Metzger - Dynastie.
1:0, Alter! Waren wir nicht zusammen in der Grundschule? Aber es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, und wir anderen brauchen für uns nichts mehr zu hoffen.
12.2.23
Dolf
Was eir noch nicht wussten: der Verleger Holle ließ zu Lebzeiten zumindest zwei Herzen höher schlagen. Eins davon: das der zu Unrecht vergessenen Witwe Edith Felbing, reich und geborene Möbius. Als er sie höflich grüßte, neigte sie anmutig den Kopf.
Gnädiges Fräulein, könnten Sie sich dazu bereit erklären, dass wir noch ein Weilchen beisammen bleiben? Ich weiß ein hübsches kleines Café?
Dr. Smirc: "Das kann ich mir denken: der geht nicht zum Karstadt oder in die Badische Backstubb. Ich denk da mal an Zitronentörtchen oder den Kakaosommelier aus Frettingen. Erste Sahne! Na, sie ist ja erwachsen. " Tomoko riecht an den Pfirsichen, deren Haut im Wasser wie Quecksilber schimmert.
Da war namenloses Leid in Ediths Augen, denn sie war verlobt mit Quirin Felbing. Warm ruhte dieser andere Blick auf ihrem Gesicht, das man in früheren Zeiten Antlitz einer Fürstin genannt hätte. Er schämte sich irgendwie fremd. Leben Sie wohl, Herr Dr. Holle.
Handkuss und ab.
Also war es auch. Eine Stunde später war sie Quirins Frau.
"So--? Wirklich --? Ich weiß, was ich weiß!" Die neidische geprellte Erbnichte. Wer kann schon etwas sagen, bevor Dr. Olmütz ihn untersucht hat? Der Name klang nach Ostpreußen. Umständlich zündete er sich ein Zigarro an.

12.2.23
Wohl gehütete Pfirsiche

28.1.23
Hinaufgelangte
Hinaufgelangte
„Der Wachowski? Auch so'n Dichter.“ Maliziöses Lächeln überm Eisbein. Der Naja weiß Bescheid.
Hinaufgelangen um jeden Preis wollen andere. Noch andere erwischte die Ziehung der Nobelwürfler.
Handke, Depardieu, Walser (M), Sloterdijk. Da gab es doch Tausende, die genauso besonders talentiert waren oder eben genauso wenig. Und von denen hatten doch auch einige Tausende förderliche Beziehungen zu VIP und Schein-VIP. Es kann nicht jeder das große Los zum Kulurtrog ziehen. Man zahlt mal eins, dann muss aber auch gut sein. Man muss leben und, wenn man zum Beispiel „auch so'n Dichter“ ist, in die Welt schauen, nicht nur in die Gönnung.
Der Wachowski ist da nicht neidisch. Er hat sein Geld verdient, viel schreiben können (einiges davon schön) und er kann jetzt unerkannt, unbelästigt durch die Straßen und über die Wege. Mit verschrobenen Dichterblick, genannt Aufmerksamkeit. Ihn trennt nur selten ein wichtiger Artikel von Verehrung in Zeitung und Netz vom Leben und die Gedanken können frei fliegen.
Auch er hätte mit Glück und richtiger Anwesenheit bei wichtiger Preisverleihung von wichtigen Personen, bei konsequenter Beziehungspflege und austarierte Brav/Frechheit hinauf gelangen können. Dann müsste er sich mit einer etwas graueren Einsamkeit als der des Lebens abgeben.
Nein!
Schon schöner, fremd zu sein unter VIP*innen.
Hier zum Beispiel zieht er die Luft durch die Nase. Noch nicht Frühling. Es singen die Meisen noch nicht und die Eichhörnchen suchen noch in kalten Böden. Wie die Menschen so gebeugt um die Häuser hasten und schleichen. Über dem Lärm plötzlich tiefer klang einer Glocke. Erinnert das nicht an die Dalloway?
Ein
Dichter vom Naja unter Hinaufgelangten.
Na ja.
29.1.23

13.1.23
Eierbecher 2010
Ich trage das Geschirr in die Küche. Ich sehe die Wand über der Spüle. Ich drehe den Kopf zum Fenster, sehe Regenwolken. Der Eierbecher zerschellt auf dem Boden. Ich habe nicht gespürt, wie er aus der Hand glitt.
Laß das Licht herein, schieße die Pfeile der Vogelstimmen durch die Regenfäden!
Was da zerbricht, ist nicht das Leben noch ein anderer besonderer
Wert. Ich verliere wirkliche, körperliche Kraft, während ich noch einen
gewissen Anteil wirklicher Macht, Einfluß ausübe.
Der leichte Schmerz des Noch-nicht der Jugend, der wie der
Stich einer Rose den ganzen Körper ergreifen kann, teilt seine Herrschaft nun
schon lange mit dem des Nicht-mehr. Jetzt ist das Alter in mir, mit all seinen
Brechungen und Brüchen. Es hat auch etwas von einem befreienden
"Endlich!" Die Blüten schließen sich, schützen sich unter dem Regen.
Unter dem Regen - wachsend.
Ich fege die Reste zusammen. Es war einmal, es ist nicht einmal
ein Märchen.
Ein Staubkorn oder eine Galaxis stürzt in eine Sonne.
Während es Materie an sich zieht, verliert es
Materie. Ich höre den Lärm, mit dem der Eierbecher zerschellt. Ich höre
nicht, ich spüre nicht wie die Kraft geht. Was für ein Lärm, wenn Galaxien
ineinander stürzen. Welche Stille beim Sterben der Kraft!
Der Lärm erinnert mich: ich bin! Plötzlicher Tag. Die Stille
nimmt mich mit in die Zeit. Sie formt ein Wort aus der Tiefe. Ich rätsle, was
wohl der Sinn, die Welt dahinter ist. Sie rüttelt mich auf mit einem Schrei aus
brechendem Scherben.
Wie nun alles zurückkehrt!
Was wäre der Lärm ohne die Stille?
Was wäre das Wort ohne Dich?
Ich lasse Wasser ins Spülbecken. Goldene Reflexionen an der
Decke. Die Regentropfen blitzen unter der Sonne, im Regen-rauschen zwitschern
hundert Vögel. Dies scheint ein guter Tag zu werden. Nimm ihn in die Hand. Gib
gut Acht!
11.04.10 Klaus Wachowski

Immer das gleiche aus 2010
Und der Regen begleitet mich jeglichen Tag seit ich Mitte 50
bin. Schwarz glänzen die Äste der Kirsche jetzt im Winter. Sind sie nicht
grüner im Sommer? Die Amsel findet warmen Wurm und die Alten ziehen die Köpfe
ein. Die Jungen aber:" Vergiß den Quatsch vom Regen!"
Es ist immer das Gleiche: Das Wunder Sonne an jeglichem Tag,
die in uns regnende Trauer Regen jeglichen Tag.
Trinke eine Tasse Kaffee, nimm ein Triptan und sieh zurück
in die Ebene, die Dir so oft Gebirge schien. Die schwarzen Punkte im Grün, das
Dir so oft schmutzig und fett braun war: es sind die Köpfe Deiner Freunde, die
aus Deinen ausgedörrten Erinnerungen ragen, wie die von Giraffen aus dem
Steppengras. Laß es regnen, grünen im Winter Deiner Jahre! Sieh, wie sie
miteinander kommunizieren über weite Strecken, weite Zeiten hinweg.
Und sie bekommen Kinder oder keine Kinder, und sie werden
alt oder sterben vor der Zeit, und manche versinken in Ich und vergiftetem
Traum, versteinern in Alltag und Dope verfaulter Sehnsucht.
Aber da sind X und Y, dem Wunder Sonne seinen Wert zu
erhalten, der Trauer Regen den Wert Wunder entgegen zu halten.
Der Schnee versinkt in den schmutzigen Fluten eines
Winterregens. Räume die Straße zu Deiner Aufmerksamkeit. Ein Junger schubst
Dich zur Seite. Eine Jung sieht durch Dich hindurch wie durch Glas. Die Köpfe
voll: ich will! Der Regen beginnt, in ihre weit geöffneten Sehnsuchten hinein
zu regnen. Eine Fastnacht übe holt sie und vorne zeigt sich der Tod.
Du bist noch nicht so weit, ihn an ihrer Stelle anzurufen.
Noch glaubst Du an Gebirge. Noch kannst Du nicht aufstehen, über Dein Tal zu
fliegen, den Ruf der Freien zu rufen, zu fliegen, fliegen.
Darum dankst Du Virginia für das Wort, dem Wunder Leben für
das Wunder Virginia. Dem Tag und dem Regen für:
Immer das Gleiche
16.01.10 Klaus
Wachowski

9.1.23
Senior von der letzten Ölung
Da geht die Seele
The
sun ain't gonna shine anymore.
Seniorenzimmer
zur letzten Ölung.
Da
geht die Seele des Senioren. Scott Walker steigt hinab.
Ich schaue Fred Wunderwisch zu, wie er seinen Erinnerungen hinterher humpelt. Bringt auch den Loyola zum Sondermüll (Hass im aufgeblasenen Gotteskonstrukt). Etwas depressiv mit Reflux. Er weiß, das geht vorbei. So lässt er sich ein auf Regen und Wind.
Nass und kalt der Boden. Das Kraut ergraut, etwas schimmelig, feucht.
Aus dem Himmel auch nicht gerade eine
frohe Botschaft. Let it Rain.
Was ist noch zu erwarten?
Aber ich weiß: der hatte doch ein schönes Leben! Der
Onkel: „Komm her, Du Raiberkneisl!“ Ließ
ihn zusehen beim Motorradbasteln in der Sonne. Durfte er nicht auch mal im Beiwagen
mitfahren? Die Jugend, mit genommen von den Klassenkameraden. Between the Buttons,
wunderbares gemeinsames Staunen. Jimmy Hendrix beim Pio, unglaubliches musikalisches
Dope. Wilde Jagd durch die Pubertät, underground und Marx: Was jetzt? Sex, na ja:
viel geredet, wenig Spaß. Arbeit, die sich schließlich gut anfühlte, 68, Liebe,
Kunst. Wir machen einen besseren Staat. Tja. Zusammenbruch, richtige Liebe,
Rückkehr in die Philosophie, Entdeckung bei Hannah Arendt, Schopenhauer, Karl
Kraus. Nachbarn, Menschen, ja das war schön. Die Kinder! Zeit der glücklichen Begleitung.
Ja auch Schmerz. Und jetzt hinaus ins Patagonien. Trotz all dem, was nicht gut
war.
Beim
Zanger fällt der Beton vom Balkon. Würdest Du Dich drunter stellen? Reste von
Moninger, Schon ewig ist der Wofl tot, Richard, Michael, Frank…
Da
derart geringe Druckänderungen schon aufgrund des thermischen Rauschens, durch
Mikroerschütterungen sowie durch minimale Bewegungen im Prüfteil, in der
Adaption und in den pneumatischen Leitungen auftreten, werden in der Praxis die
Messwerte gemittelt und der Anzeigewert auf 1 Pa gerundet, was immer noch
1/100.000stel des Luftdruckes ist. Es gibt doch herrliche Hirngeschenke!
Sebastian Knülch rappelt mit der Büx. Schon seit Tagen
sind Fernseher und Sternsinger unterwegs. Wuderwisch
verzichtet dankend auf Privatstatus. Denn die stahlharten Schlussverse eines
metaphysischen Gedichtes atmen leider auch mal beherrschte, unterkühlte
Begeisterung (Nach Geschichte des Zen-Buddhismus, Dumoulin, Begeisterung 1 S
101).
Let it rain. Aber sacht. Jetzt kauft er sich mal einen Jasmin-Tee mit schöner Erinnerung an seine Japan- Phantasien. Beim Supermix von Puerto natales sollen es jetzt 20° sein...
Er beschließt, seinem Urenkel zu schreiben. Hallo Sörken Viktor, Dein Uropa hat auch mal gelebt. Das war ne Zeit! Was und wie ich da alles gesehen und erlebt habe? Du bist ja ein neugieriges und sicher auch Kluges Köpfchen. Also dann:" Schreib auf....."
Das Schweigen nimmt seinen Lauf.
